Der Zeitzeuge Ernst Grube besucht die LUS




NS-Zeitzeuge Ernst Grube beeindruckt am 20. Februar Mittelschüler der LUS Pfreimd

In Zusammenarbeit mit dem Pfreimder „Bündnis gegen rechts“ gelang es Herrn Fröhlich, den Kontakt zum NS-Zeitzeugen Ernst Grube herzustellen und ihn erneut an die Landgraf-Ulrich-Schule einzuladen, nachdem er bereits vor einigen Jahren Gast an unserer Schule gewesen war.

Eigentlich mag er selbst den Begriff „Zeitzeuge“ nicht, da dieser nicht zwischen Tätern und Opfern unterscheidet, doch für Jugendliche ist es oft schwer, Geschichte zu begreifen, wenn sie nur Jahreszahlen, Daten und Fakten auswendig lernen. Rektor Siegfried Seeliger machte den unersetzlichen Wert von Zeitzeugengesprächen deutlich, bevor er das Wort schließlich an Ernst Grube übergab.

Der heute 85-Jährige berichtet nach einem Filmausschnitt von seiner Kindheit in München. Als die Synagoge der jüdischen Gemeinde München im Juni 1938 niedergerissen und auch sämtliche Wohnungen zwangsgeräumt wurden, wurde die Familie getrennt. Er und seine beiden Geschwister kamen in ein jüdisches Kinderheim. Ab 1941 mussten sie den gelben Judenstern tragen. Grube berichtet von Anfeindungen, wie er und seine Geschwister bespuckt und beschimpft wurden. Immer wieder betont er die Rolle seines Vaters, der sich trotz des großen Drucks weigerte, sich von deiner Frau scheiden zu lassen. Dies rettete ihm und seinen Geschwistern das Leben, während andere Kinder des Heims und gute Freunde eines Tages deportiert und schließlich ermordet wurden.

Im Mehrzweckraum der Landgraf-Ulrich-Schule herrscht absolute Stille, gebannt lauschen die Schülerinnen und Schüler der achten und neunten Jahrgangsstufe den Worten Grubes, der anschließend sein Leben im Barackenlager Milbertshofen beschreibt. Eindrucksvoll schildert er seine Erlebnisse der Bombennächte, die er im Freien verbrachte, da ihm der Zutritt zum Schutzbunker verweigert wurde. Ab Februar 1945 deportierten ihn die Nazis schließlich ins Ghetto Theresienstadt im sogenannten Protektorat Böhmen und Mähren im heutigen Tschechien. Dort lebte er in ständiger Angst vor möglichen Übergriffen der Nazis.

Nach der Befreiung durch die Rote Armee kehrte Grube schließlich wieder nach München zurück, wurde zunächst Maler wie sein Vater und anschließend Berufsschullehrer.

Bei diesem Vortrag wurde den Schülerinnen und Schülern nicht nur Grubes Leben als „Halbjude“ im Nazi-Deutschland der Kriegszeit verdeutlicht, sondern auch sein unermüdlicher Einsatz für Minderheiten, auch heute wichtiger denn je.

Ein herzlicher Dank ergeht an dieser Stelle auch an den Elternbeirat der LUS Pfreimd, der die Unkosten für diesen Vortrag übernahm.


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